Die Änderungen im Reisekostenrecht und ihre Folgen

„Im neuen Jahr wir alles besser“ – ob die Neuerungen im Reisekostenrecht, die kurz vor Ende des letzten Jahres in einem Schreiben vom Bundesministerium der Finanzen bekannt wurde, tatsächlich „besser“ sind, darüber lässt sich sicherlich streiten. Fest steht, dass sich diese Änderungen auf die Abrechnungspraxis auswirken.
Von den Änderungen betroffen, ist unter anderem der zentrale Begriff des Reisekostenrechts, die Definition der „regelmäßigen Arbeitsstätte“. Der Bundesfinanzhof hat in seinen Urteilen vom 09.Juni 2011 – VI R 55/10, VI R 36/10 und VI R 58/09 – entschieden, dass ein Arbeitnehmer nicht mehr als eine regelmäßige Arbeitsstätte je Arbeitsverhältnis haben kann.Von einer „regelmäßigen Arbeitsstätte“ ist ab sofort dann auszugehen, wenn der Arbeitnehmer auf Grund dienstrechtlicher oder arbeitsvertraglicher Bestimmungen

  • einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers dauerhaft zugeordnet ist oder
  • in einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers
  • arbeitstäglich
  • je Arbeitswoche einen vollen Arbeitstag oder
  • mindestens 20% einer vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit tätig werden soll (Prognoseentscheidung)

 

Erfreulich kurz ist diese neue Verwaltungsanweisung, was im ersten Moment praktisch, bei genauerer Betrachtung und in der Anwendung aber viele Fragen und Zweifel aufwirft:

Wann beispielsweise benötigt man das Kriterium der „dauerhaften Zuordnung“? Wann sollte eine „Prognoseentscheidung“ getroffen werden und was ist bei dieser gegebenenfalls zu berücksichtigen?

Die Beschränkung auf eine regelmäßige Arbeitsstätte bringt konkrete Folgen mit sich, insbesondere auf die Firmenwagenbesteuerung und der Reisekostenerstattung wirkt sich die neue Regelung vorteilhaft aus.

Aufgrund weiterer, teilweise erheblicher Folgen, sollte bei allen Mitarbeitern, die häufig an verschiedenen Stellen arbeiten, dringend geprüft werden, ob eine regelmäßige Arbeitsstätte vorliegt und wenn ja, diese festzulegen.

Für die Bestimmung derselben sind insbesondere die Kriterien

  • betriebliche / arbeitsvertragliche Zuordnung,
  • Verweildauer in der Betriebsstätte und
  • Tätigkeitsmittelpunkt

anzuwenden.

Ist das Bestehen einer regelmäßigen Arbeitsstätte zu verneinen, ist die alternativlose Option: es gibt KEINE.

Bei einem Wegfall ergeben sich für die Betroffenen deutliche Lohnsteuerentlastungen. Fahrten zu Betriebsstätten des Arbeitgebers gelten dann beispielweise als beruflich bedingte Auswärtstätigkeiten. Wird für solche Fahrten ein Firmenwagen zur Verfügung gestellt, gilt dieser als steuerfreier Reisekostenersatz.

Für Arbeitgeber ist die Frage der regelmäßigen Arbeitsstätte, in Bezug auf die steuerliche Behandlung ihrer Mitarbeiter, von entscheidender Bedeutung. Die Auswirkungen für das Reisekostenrecht, insbesondere für die Steuerfreiheit von Spesen, die Firmenwagenbesteuerung oder die Entfernungspauschale sind erheblich.

Um weiterhin rechtssichere Reisekosten-Abrechnungen unter Berücksichtigung aller aktuellen Änderungen durchzuführen, werden deutschlandweit Seminare zum Thema Reisekosten angeboten.

Die aktuellen Termine, weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit finden sie unter www.forum-fachseminare.de

 

 

Kommentare

  1. Ein sehr informativer Artikel, der mir wirklich weiterhilft. Vielen Dank!

  2. Vielen Dank für den kurzen, aber dennoch sehr hilfreichen Artikel zur Änderung im deutschen Reisekostenrecht. Insbesondere die Darstellung der rechtlichen Folgen ist gut gelungen und verschafft einen ausreichenden Überblick!

    • Herzlichen Dank für Ihr Lob! Es freut mich, dass wir Sie in Ihrer Arbeit ein klein wenig unterstützen konnten.

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